FAMILIENSTÄMME

Die Familienstämme Klingelhöfer nach der bisheringen Forschung
von Dipl.Archiv. Helmut Klingelhöfer, Rauschenberg

 

Nach dem derzeitigen Forschungsstand gibt es heute noch mindestens acht Familienstämme Klingelhöfer/Klingelhöffer. Beide Schreibweisen des Familiennamens, auch mit weiteren Varianten, finden sich wohl in allen Stämmen. Feste verbindliche Schreibweisen für Familiennamen gibt es erst seit 1875 bzw. 1876 mit der Einführung der Standesämter. So, wie der Familienname beim ersten Eintrag von einem Standesbeamten (zufällig) geschrieben wurde, so muß sich die jeweilige Familie bis heute schreiben.

An dieser Stelle können nicht alle Wohnorte genannt werden. Deshalb finden Sie hier nur Hinweise auf die hauptsächlichen Wohnorte, insbesondere in Hessen. Angehörige aller Stämme leben heute in den USA und in den rheinisch-westfälischen Industriegebieten. Nachfolgend ist jeweils nach Möglichkeit die älteste Form der Namensnennung angegeben. Die quellenmäßigen Nachweise der Erstnennungen finden sich in den jeweiligen Personenartikeln in den Stammfolgen.

Die seit 1523 nachweisbare Grethe im Klingelhobe, ihr vermutlicher Sohn Ebert Clingelhoffer/ im Klingelhof(f) und die vermutlichen Enkel Ludwig Klingelhöfer (!), Bastian Klingelhawer sowie Gerlach Klingelhober und ihre Nachkommen bilden den Damshäuser Stamm. Die Angehörigen dieses Stammes wohnen heute noch zahlreich im Hessischen Hinterland, dem früheren Kreis Biedenkopf, aber auch im Kreis Gießen, dem Lahn-Dill-Kreis und in Süddeutschland.

Der Calderner Stamm mit Unterstämmen in Caldern, Eibelshausen, Rosenthal, den Niederlanden, Zweigen in Portugal, Brasilien, Frankreich und England geht zurück auf Gerlach Klingelhöfer (sic!), der 1586 bis 1612 als Förster und Pächter eines Deutschordenshofes in Caldern belegt ist. Seine Herkunft ist nicht bekannt. Die gelegentlich geäußerte Vermutung, dass er aus Dilschhausen stammte, ist nicht beweisbar und auf Grund der bisher vorliegenden Forschungsergebnisse eher unwahrscheinlich.

Der Dautpher Stamm, der heute mit seinen zwei Hauptästen u.a. noch in Dautphe und in Rauschenberg ansässig ist, stammt von Weigand Klingelhöuer, ab, der im Jahre 1597 als Besitzer eines Hauses in Dautphe nachweisbar ist und bereits zwischen dem 23.2.1598 und dem 2.6.1600 verstarb. Später bewirtschaftete seine Witwe Elisabeth, dann sein Sohn Jacob, einen Teil des halben Grafschaftshofes in Dautphe, der dem Adelsgeschlecht der Herren von Breidenbach gehörte.

Der Weitershäuser Stamm aus Weitershausen bei Gladenbach, wird 1570 mit Hans Klingelhoffer, erstmals in Weitershausen genannt. Angehörige dieses Stammes wohnen heute u.a. in Erdhausen und Holzhausen a.H.

Der Großseelheimer Stamm, der heute noch sehr zahlreich in und um Großseelheim bei Kirchhain ansässig ist, beginnt vermutlich mit Caspar Klingelhoifer, der von 1566 bis 1591/92 in Schönbach bei Großseelheim als Einwohner nachweisbar ist. Dagegen ist der schon seit 1546 in Großseelheim nachgewiesene Heinrich Klingelhöfer mit Sicherheit kein direkter Vorfahre der heutigen Klingelhöfer in Großseelheim.

Der Brungershäuser Stamm, dessen Angehörige neben dem Calderner Stamm, u.a. bis heute in Caldern ansässig sind, müsste wohl eher Buchenauer Stamm heißen, denn er geht auf Hans Klingelhöfer zurück, der seit etwa 1609 in Brungershausen einen Hof gepachtet hatte und sicherlich mit einem um 1560 geborenen und seit 1584 verheirateten Hanß Klingelhouer oder Zimmerhanß aus Buchenau identisch ist.

Der Wettersche Stamm in Wetter und Alsfeld geht auf den erstmals 1646 in Wetter genannten Hans Klingelhöber, zurück. Er kam als Fremder nach Wetter; hatte mit den vor 1600 schon in Wetter ansässigen Klingelhöferfamilien ganz offensichtlich keine Verwandtschaft.

Schließlich geht der Weiershäuser Stamm, heute in Eschollbrücken, Pfungstadt und Südhessen, auf den seit 1653/60 in Weiershausen als Pächter eines Hofes der Universität Gießen nachweisbaren Johannes Klingelhöffer zurück. Seine Herkunft ist wie die des Hans Klingelhöfer in Wetter leider nicht bekannt.

Zwei weitere Familien sind nach dem derzeitigen Wissensstand vermutlich auch als Stämme anzusprechen: In Mardorf bei Amöneburg war seit mindestens 1667 ein katholisch gewordener Johanneß Klingelheber ansässig, der vermutlich eingeheiratet hatte. Nachkommen von ihm lebten bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts in den katholischen Dörfern um Amöneburg bei Marburg, bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Ungarn und seitdem in den USA. Genauere Forschungen stehen noch aus bzw. sind auf Grund fehlender oder nicht zugänglicher Quellen leider nicht möglich.

In Berlin ist seit 1690 als kurfürstlich brandenburgischer Hof- und Feldtrompeter ein Jacob Klingelhöfer/Klingenhöfer ansässig gewesen, der am 4.6.1691 in Berlin eine Anna Margarethe Nicolai heiratete und von 1692 bis 1712 neun Kinder in Berlin taufen ließ. Ob die Berliner Klingelhöfer des 19. Jahrhunderts und vielleicht auch einige der heutigen Berliner, Brandenburger und Vorpommerschen Klingelhöfer auf ihn zurückgehen, ist bisher leider nicht bekannt. Auch für diese Familien stehen neuere Forschungen noch aus. 

Vielleicht ist dieser Jacob Klingelhöfer aber der Stammvater der elsässischen Klingelhöfer. Ein aus Berlin stammender Jacob Klingelhöfer war Stallmeister bei dem am 4.4.1735 in Paris verstorbenen elsässischen Grafen Conrad Alexander von Rothenburg, der vor 1730 mehrmals  französischer Gesandten beim preußischen König in Berlin wars. Jacob Klingelhöfer heiratete am 9. Juli 1736 in Dettweiler im Unterelsass die Anna Catharina Ehinger aus Basel in der Schweiz. Das Ehepaar hatte mindestens einen Sohn Johann Jacob, geboren am 5. Januar 1747; es leben bis heute Namensträger im Elsass, die ihren Namen meist als Klingelhoffer schreiben. Freilich muss man hier zugeben, dass die Geschichte auch der elsässischen Klingelhöfer kaum in Ansätzen bekannt ist und die Klingelhöfer im Elsass zu anderen Stämmen bzw. Familien gehören können. So ist bisher fraglich, ob die Linie von Jacob Klingelhöfer im Unterelsass überhaupt hin zu Peter Klingelhöfer führt, geboren 1798 in Baldersheim im Oberelsass.

Weiterhin gibt es in Ronshausen bei Rotenburg/Fulda eine Familie Klingenhöfer. Sie geht zurück auf einen Soldaten Klingenheber, dessen Vornamen nicht bekannt ist, 1740/41 Reiter unter dem hessen-kasselischen Leibregiment. Auch seine Herkunft ist bisher unbekannt; ebenso die Verbindung zu den Namensträgern Klingelhöfer. Sein am 28.8.1741 in Ronshausen geborener Sohn Johannes Klingenhöfer (Klingenhöber) heiratete 1777 die Anna Maria Wetzel aus Meckbach. Seitdem ist die Familie in Ronshausen und Umgebung ansässig.

Der hessische Herkunftsraum der Namensträger Klingelhöfer ist seit der Reformation evangelisch, meist evangelisch-lutherisch. Dementsprechend sind die meisten Namensträger bis heute evangelisch.

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